Thursday, November 17, 2016

Habermas: "For a Democratic Polarisation"

An English translation of a recent interview with Jürgen Habermas:

"For A Democratic Polarisation: How To Pull The Ground From Under Right-wing Populism"
(Social Europe, November 17, 2016)

Originally published in German in "Blätter für deutsche und internationale Politik" (November 2016). 

Excerpts

"The new global disorder, the helplessness of the USA and Europe with regard to growing international conflicts, is profoundly unsettling and the humanitarian catastrophes in Syria or South Sudan unnerve us as well as Islamist acts of terror. Nevertheless, I cannot recognise in the constellation you indicate a uniform tendency towards a new authoritarianism but, rather, a variety of structural causes and many coincidences. What binds them together is the keyboard of nationalism and that has begun to be played meanwhile in the West. Even before Putin and Erdogan, Russia and Turkey were no “unblemished democracies.” If the West had pursued a somewhat cleverer policy, one might have set the course of relations with both countries differently – and liberal forces in their populaces might have been strengthened. (.....)

The economic globalisation that Washington introduced in the 1970s with its neoliberal agenda has brought in its wake, measured globally against China and the other emergent BRIC countries, a relative decline of the West. Our societies must work through domestically the awareness of this global decline together with the technology-induced, explosive growth in the complexity of everyday living. Nationalistic reactions are gaining ground in those social milieus that have either never or inadequately benefited from the prosperity gains of the big economies because the ever-promised “trickle-down effect” failed to materialise over the decades. (......)

As a sensible alternative (......) I would suggest there is only a supranational form of co-operation that pursues the goal of shaping a socially acceptable political reconfiguration of economic globalisation. International treaty regimes are insufficient here; for, putting aside completely their dubious democratic legitimacy, political decisions over questions of redistribution can only be carried out within a strict institutional framework. That leaves only the stony path to an institutional deepening and embedding of democratically legitimised co-operation across national borders. The European Union was once such a project – and a Political Union of the Eurozone could still be one. But the hurdles within the domestic decision-making process are rather high for that.
Since Clinton, Blair and Schröder social democrats have swung over to the prevailing neoliberal line in economic policies because that was or seemed to be promising in the political sense: in the “battle for the middle ground” these political parties thought they could win majorities only by adopting the neoliberal course of action. This meant taking on board toleration of long-standing and growing social inequalities. Meantime, this price – the economic and socio-cultural “hanging out to dry” of ever-greater parts of the populace – has clearly risen so high that the reaction to it has gone over to the right. And where else? If there is no credible and pro-active perspective, then protest simply retreats into expressivist, irrational forms. (.....)

In my estimate, domestic politicians mishandled right-wing populism from the start. The mistake of the established parties lies in acknowledging the battlefront that right-wing populism is defining: “We” up against the system. Here it matters hardly a jot whether this mistake takes the form of an assimilation to or a confrontation with “right-wing”. (.....)

One would therefore have to make contrasting political programmes recognisable again, including the contrast between the – in a political and cultural sense – “liberal” open-mindedness of the left, and the nativist fug of right-wing critiques of an unfettered economic globalization. In a word: political polarisation should be re-crystallised between the established parties on substantive conflicts. Parties that grant right-wing populists attention rather than contempt should not expect civil society to disdain right-wing phrases and violence."  

Wednesday, November 09, 2016

Pierre Rosanvallon - "Die gute Regierung"



Die gute Regierung

von Pierre Rosanvallon

(Hamburger edition, 2016)

374 S.





Kurzbeschreibung

Die meisten politischen Systeme der westlichen Welt gelten als demokratisch – legitimiert durch freie Wahlen und einen Rechtsstaat, der sich zu den individuellen Freiheitsrechten bekennt und sie schützt. Laut Rosanvallon führen diese Legitimationsprinzipien zu einer Vorherrschaft der Exekutive: »Unsere politischen Systeme können als demokratisch bezeichnet werden, doch demokratisch regiert werden wir nicht.«
Die demokratische Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger reduziert sich auf die Wahl von Repräsentanten und Regierenden, das heißt auf ein simples Verfahren zur Beglaubigung von Mächtigen und zur Bestätigung allgemeiner politischer Zielsetzungen. Wenn Demokratien zu reinen Genehmigungsdemokratien werden, sind soziale Verwerfungen die Folge. Im Extremfall können Genehmigungsdemokratien sogar diktatorische Züge aufweisen.
Auf der Grundlage seiner Analyse demokratischer Gegebenheiten entwirft Rosanvallon das Modell einer »Betätigungsdemokratie« als Garant einer guten Regierung. Eine Betätigungsdemokratie verkörpert die positive Seite des demokratischen Universalismus und ist der Schlüssel zum demokratischen Fortschritt. Voraussetzung ist, dass nicht nur die Exekutive, sondern auch Behörden, verschiedene Ebenen der Justiz und der gesamte öffentliche Dienst Umwandlungsprozesse vollziehen.
Rosanvallon fordert nicht weniger als eine demokratische Revolution, die über eine Neudefinition der Beziehungen zwischen Regierenden und Regierten führt – erst dann wird die Realisierung einer Gesellschaft der Gleichen denkbar. 

Inhalt 

Von einer Demokratie zur nächsten (Einleitung)  [pdf]  

I. Die exekutive Gewalt: Eine problematische Geschichte    

Die Inthronisierung des Gesetzes und die Degradierung der Exekutive
Der Kult der Unpersönlichkeit und seine Metamorphosen 
Das Zeitalter der Rehabilitierung
Die beiden Versuchungen  

II. Die Präsidialisierung der Demokratien

Wegweisende Experimente: 1848 und Weimar
Von der gaullistischen Ausnahme zur allgemeinen Präsidialisierung
Unumgänglich und problematisch
Die Regulierung des Illiberalismus

III. Die Aneignungsdemokratie 

Das Verhältnis von Regierenden und Regierten
Lesbarkeit
Verantwortung
Reaktivität

IV. Die Vertrauensdemokratie

Die Figuren des guten Regierenden
Wahrsprechen 
Integrität 

Die zweite demokratische Revolution (Schluss)

Pierre Rosanvallon ist Professor für Neuere und Neueste politische Geschichte am Collège de France und directeur de recherche an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS).

Rezensionen hier und hier.


Friday, October 28, 2016

Interview with Habermas: "For a democratic polarization"

In "Blätter für deutsche und internationale Politik" (November 2016), a new interview with Jürgen Habermas:

Für eine demokratische Polarisierung

(An English translation is available here)

Excerpts

"Die neue Unordnung der Welt, die Hilflosigkeit der USA und Europas angesichts der zunehmenden internationalen Konflikte ist beunruhigend, und die humanitären Katastrophen in Syrien oder im Südsudan zerren ebenso an unseren Nerven wie die islamistischen Terrorakte. Dennoch kann ich in der Konstellation [.....] keine einheitliche Tendenz zu einem neuen Autoritarismus erkennen, sondern eher verschiedene strukturelle Ursachen und viele Zufälle. Das Verbindende ist die Klaviatur des Nationalismus, den aber haben wir mittlerweile auch im eigenen Haus. Russland und die Türkei waren auch schon vor Putin und Erdogan keine „lupenreinen Demokratien“. Mit einer etwas klügeren Politik des Westens hätten die Weichen im Verhältnis zu beiden Ländern vielleicht anders gestellt, hätten vielleicht auch liberale Kräfte in diesen Bevölkerungen gestärkt werden können." (.....)

"Die wirtschaftliche Globalisierung, die Washington in den 1970er Jahren mit seiner neoliberalen Agenda eingeleitet hat, hatte im globalen Maßstab gegenüber China und den anderen aufgestiegenen BRICS-Staaten einen relativen Abstieg des Westens zur Folge. Unsere Gesellschaften müssen die Wahrnehmung dieses globalen Abstiegs, zusammen mit der technologisch bedingten, explosiv zunehmenden Komplexität der erlebten Alltagswelten, innenpolitisch verarbeiten. Die nationalistischen Reaktionen verstärken sich zumal in den Milieus, die jeweils von den durchschnittlichen Wohlstandsgewinnen der Volkswirtschaften im ganzen entweder gar nicht oder nicht angemessen profitieren, weil die immer wieder beschworenen trickle-down-Effekte seit Jahrzehnten ausbleiben." (.....)

"Als vernünftige Alternative [.....] bietet sich aus meiner Sicht nur eine supranationale Zusammenarbeit an, die das Ziel einer sozialverträglichen politischen Gestaltung der wirtschaftlichen Globalisierung verfolgt. Dafür reichen internationale Vertragsregime nicht aus; denn ganz abgesehen von deren zweifelhafter demokratischer Legitimation können politische Entscheidungen über verteilungsrelevante Fragen nur in einem festen institutionellen Rahmen implementiert werden. Daher bleibt nur der steinige Weg einer institutionellen Vertiefung und Verankerung einer demokratisch legitimierten Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg. Die Europäische Union war einmal ein solches Projekt – und die Politische Euro-Union könnte es immer noch sein. Aber dafür sind die Hürden der innenpolitischen Willensbildung eben sehr hoch.
Die Sozialdemokratien sind seit Clinton, Blair und Schröder auf eine im ökonomischen Sinne systemkonforme Linie eingeschwenkt, weil das im politischen Sinne „systemkonform“ war oder zu sein schien: Im „Kampf um die Mitte“ glaubten diese politischen Parteien, Mehrheiten nur auf dem Weg der Anpassung an den neoliberalen Kurs gewinnen zu können. Dafür haben sie die Tolerierung der langfristig wachsenden sozialen Ungleichgewichte in Kauf genommen. Inzwischen ist offenbar dieser Preis – das wirtschaftliche und soziokulturelle „Abhängen“ immer größerer Bevölkerungsteile – so weit gestiegen, dass sich die Reaktion darauf nach rechts entlädt. Wohin auch sonst? Wenn eine glaubwürdige und offensiv vertretene Perspektive fehlt, bleibt dem Protest nur noch der Rückzug ins Expressive und Irrationale." (.....)

"Nach meiner Einschätzung hat der innenpolitische Umgang mit dem Rechtspopulismus von Anfang an die falsche Richtung eingeschlagen. Der Fehler der etablierten Parteien besteht darin, die Front anzuerkennen, die der Rechtspopulismus definiert: „Wir“ gegen das System. Dabei ist es ziemlich wurscht, ob dieser Fehler in Gestalt einer Assimilation an oder einer Konfrontation mit „rechts“ auftritt." (.....)

"Man müsste also politische Gegensätze wieder kenntlich machen, auch den Gegensatz zwischen der – im politischen und kulturellen Sinne „liberalen“ – Weltoffenheit der linken und dem ethnonationalen Mief der rechten Globalisierungskritik. Kurzum: Die politische Polarisierung müsste sich wieder zwischen den etablierten Parteien um sachliche Gegensätze kristallisieren. Parteien, die dem Rechtspopulismus Aufmerksamkeit statt Verachtung widmen, dürfen von der Zivilgesellschaft nicht erwarten, dass sie rechte Parolen und rechte Gewalt ächtet."

(Thanks to Hauke Behrendt for the pointer!)

Saturday, October 22, 2016

Thank you for 1 million pageviews

Today we have crossed the milestone of one million pageviews.

I would like to thank everyone who dropped by and read my blog posts.


Thursday, October 20, 2016

Axel Honneth on Bob Dylan

In "Die Zeit" (October 20, 2016) Axel Honneth pays tribute to Bob Dylan, who was awarded the 2016 Nobel Prize for literature:

Unser Walt Whitman
Bob Dylan ist der Dichter unserer Einsamkeit und unserer Gemeinsamkeit
[Not yet available online]

Excerpts:
"Was an diesem singenden Poeten so groß ist, das es voll ends gerechtfertigt erscheinen lässt, ihm den Preis zuzusprechen, ist vielleicht gar nicht leicht denen zu erklären, die sich nicht bereits in seinem Bann befinden. Es begann vor etwa fünfzig Jahren, als einer der vielen Songs aus seinem Mund – ob es nun Like a Rolling Stone war, Mr. Tambourine Man oder It Ain’t Me Babe, spielt beinah keine Rolle – plötzlich mir, nein, uns aufschloss, wie wir uns zukünftig zu dieser Welt stellen und uns in ihr verhalten sollten: mit Distanz, aber ohne Verrat unserer Bindungen, mit Sympathie für die Schlechtergestellten, aber ohne die auftrumpfende Gebärde des Besserwissens, mit dem Bewusstsein des Alleinseins, aber ohne die bedrückende Empfindung, damit allein zu sein. Spielerisch hat Dylan, ohne es wissen zu können, die Kluft zwischen dem Existenzialismus der fünfziger Jahre und dem Geist der Revolte der siebziger Jahre geschlossen, hat den Gestus des trotzigen Individualismus in den Strom der solidarischen Bewegungen hinüberretten können." (.....)

"So gelingt, was ansonsten nur große Poesie vermag, allerdings im Medium des Allerverständlichsten, dem unerschöpflichen Strom der Musik des nordamerikanischen Kontinents: das Festhalten der Erfahrung, in der disparaten Vielzahl unserer je individuellsten Empfindungen doch einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten anzugehören." (.....)

"Wie gut, dass das schwedische Preiskomitee den Mut besaß, die Grenzen des Literarischen neu zu ziehen. Als der durch die Welt reisende Bänkelsänger am Donnerstag abend auf einer Bühne in Las Vegasseine never ending tour fortsetzte, so wird berichtet, ließ er die tektonische Erschütterung, die seine Auszeichnung für unsere Kultur bedeutet, mit keinem Wimpernschlag erkennen – ein stoischer Walt Whitman unserer Tage, der uns mit knarrender Stimme davon singt, wie wir uns ohne Verrat unseres vielstimmigen Ichs als Glieder einer umfassenderen Bewegung begreifen können, die sich den Verfehlungen dieser Welt widersetzt."

See also the comments by Salman Rushdie, Seamus Perry, Joyce Carol Oates, and Will Self.

See Cass R. Sunstein's "How Bob Dylan Surpassed Whitman as the American Poet".

In 2007 Axel Honneth (together with Peter Kemper and Richard Klein) edited a book on Bob Dylan (Suhrkamp Verlag) with essays by Michael Gray, Axel Honneth, Susan Neiman et.al. 

Sunday, September 18, 2016

New book on John Rawls's Political Liberalism



Rawls, Political Liberalism and Reasonable Faith

by Paul Weithman

Cambridge University Press, 2016

270 pages





Description

For over twenty years, Paul Weithman has explored the thought of John Rawls to ask how liberalism can secure the principled allegiance of those people whom Rawls called 'citizens of faith'. This volume brings together ten of his major essays (including one new unpublished essay), which reflect on the task and political character of political philosophy, the ways in which liberalism does and does not privatize religion, the role of liberal legitimacy in Rawls's theory, and the requirements of public reason. The essays reveal Rawls as a thinker deeply engaged with political and existential questions that trouble citizens of faith, and explore how - in firm opposition to political realism - he tries to show that the possibility of liberal democracy and the natural goodness of humanity are objects of reasonable faith. 

Contents [pdf] [preview]

Introduction

Part I. The Undergraduate Thesis

1. On John Rawls's A Brief Inquiry into the Meaning of Sin and Faith [pdf]

Part II. From A Theory of Justice to Political Liberalism

2. John Rawls and the Task of Political Philosophy [pdf]
3. Rawlsian Liberalism and the Privatization of Religion [preview]
4. Liberalism and the Political Character of Political Philosophy [pdf]
5. Legitimacy and the Project of Political Liberalism [pdf]

Part III. Public Reason and its Role

6. Citizenship and Public Reason
7. Inclusivism, Stability and Assurance
8. Convergence and Political Autonomy [pdf]

Part IV. Rawls, Realism and Reasonable Faith

9. Law of Peoples and Christian Realism
10. Does Justice as Fairness Have a Religious Aspect? [paper]

Paul Weithman is Professor of Philosophy at the University of Notre Dame. He is the author of  "Religion and the Obligations of Citizenship" (Cambridge University Press, 2002) and "Why Political Liberalism? On John Rawls's Political Turn" (Oxford University Press, 2010). 

Sunday, September 11, 2016

Habermas Biography by Stefan Müller-Doohm


Habermas: A Biography

by Stefan Müller-Doohm

(Polity Press, 2016)

598 pages






Description

Jürgen Habermas’, wrote the American philosopher Ronald Dworkin on the occasion of the great European thinker’s eightieth birthday, "is not only the world’s most famous living philosopher. Even his fame is famous." Now, after many years of intensive research and in-depth conversations with contemporaries, colleagues and Habermas himself, Stefan Müller-Doohm presents the first comprehensive biography of one of the most important public intellectuals of our time. From his political and philosophical awakening in West Germany to the formative relationships with Adorno and Horkheimer, Müller-Doohm masterfully traces the major forces that shaped Habermas’s intellectual development. He shows how Habermas’s life and work were conditioned by the possibilities offered to his generation in the unique circumstances of regained freedom that characterized postwar Germany. And yet Habermas’s career is fascinating precisely because it amounts to more than a corpus of scholarly work, however original and influential that may be. For here is someone who continually left the protective space of the university in order to assume the role of a participant in controversial public debates - from the significance of the Holocaust to the future of Europe - and in this way sought to influence the development of social and political life in an arena much broader than the academy. The significance and virtuosity of Habermas’s many writings over the years are also fully and expertly documented, ranging from his early work on the public sphere to his more recent writings on communicative action, cosmopolitanism and the postnational condition. What emerges from this biography is a vivid portrait of one of the great public intellectuals of our time - a unique thinker who has made an immense and lasting philosophical contribution but who, when he perceives that society is not living up to its potential for creating free and just conditions for all, becomes one of its most rigorous and persistent critics.

Contents  [pre-view]

Preface
Prologue: The Other among his Peers

Part I: Catastrophe and Emancipation
1. Disaster Years as Normality. Childhood and Youth in Gummersbach
2. At University in Göttingen, Zurich and Bonn

Part II: Politics and Critique
3. Education intellectuelle in Café Marx
4. Under the Aegis of Conflicting Personalities: Abendroth and Gadamer
5. Back in Frankfurt. Torn between Academic Work and Political Practice
6. In the Ivory Tower of Social Scientific Research

Part III: Science and Commitment
7. Genius Loci: In Frankfurt for the Third Time
8. New Projects
9. Battles over the Politics of Ideas
10. Against Germanomania and Nationalism

Part IV: Cosmopolitan Society and Justice
11. Critique as a Vocation. The Transition into the Third Millennium
12. The Taming of Capitalism and the Democratization of Europe
13. Philosophy in the Age of Postmetaphysical Modernity
14. Books at an Exhibition

Epilogue: The Inner Compass

Bibliography of Works by Jürgen Habermas

Stefan Müller-Doohm is Professor Emeritus of Sociology at the University of Oldenburg. His other works include "Adorno: A Biography" (Polity Press, 2005). 

The German version of the biography was published by Suhrkamp Verlag in 2014. See my links to reviews of the book.


A review of the English edition:

* "A Lion in Winter" by Peter E. Gordon (The Nation)


Two interviews with Stefan Müller-Doohm on his book:

* "Spuren eines Lebens" [pdf]

* "Ein Leben mit Brüchen"

The biography will also be translated into Spanish, French and Chinese.

Saturday, August 06, 2016

Habermas's lectures on Nietzsche, Heidegger, Bataille, and Foucault (1984)

Recordings of Jürgen Habermas's five Messenger Lectures at Cornell University in September 1984:

The Philosophical Discourse of Modernity - Hegel and the Young Hegelians
(Lecture I + discussion, September 6, 1984)

See: Jürgen Habermas - The Philosophical Discourse of Modernity (1990), Chapter 1 + 3.

The Entry into Postmodernity - Nietzsche (The Romantic vs. The Dionysian)
(Lecture II + discussion, September 7, 1984)

See: Jürgen Habermas - The Philosophical Discourse of Modernity (1990), Chapter 4. 

Heidegger's Overcoming of Occidental Rationalism 
(Lecture III, September 10, 1984)

See: Jürgen Habermas - The Philosophical Discourse of Modernity (1990), Chapter 6.

Bataille: Between Eroticism and Economy of Nature 
(Lecture IV + discussion, September 11, 1984)

See: Jürgen Habermas - The Philosophical Discourse of Modernity (1990), Chapter 8. 

Foucault's Unmasking of the Human Sciences 
(Lecture V + discussion, September 12, 1984)

See: Jürgen Habermas - The Philosophical Discourse of Modernity (1990), Chapter 9. 

Monday, August 01, 2016

Neues Buch über Habermas's "Faktizität und Geltung"


Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung

(Klassiker Auslegen, Band 62) 

Hrsg. von Peter Koller & Christian Hiebaum

(De Gruyter, 2016)

217 S.




Kurzbeschreibung

Faktizität und Geltung (1992) gehört zu den Hauptwerken von Jürgen Habermas. Er leistet darin eine innovative Begründung der Prinzipen des demokratischen Rechtsstatts, präsentiert zugleich aber auch eine Summe seines sozialtheoretischen und ethischen Denkens (Theorie des kommunikativen Handelns und Diskursethik). Dieser Band erschließt das Werk, die einzelnen Kapitel werden von renommierten Autoren resümiert, interpretiert und kritisch diskutiert.

Between Facts and Norms is one of Jürgen Habermas’s principal works. In it, he proposes an innovative justification for the principles of the democratic constitutional state, and, at the same time, sums up his thinking on social theory and ethics (i.e. the theory of communicative action and discourse ethics). This volume engages in a close reading of the work, and each chapter is summarized, interpreted, and critiqued by renowned authors.

Inhalt [preview]

Einführung - Peter Koller & Christian Hiebaum

1. Recht als Kategorie der Vermittlung zwischen Faktizität und Geltung - Peter Koller
2. Soziologische Rechts- und philosophische Gerechtigkeitskonzepte - Otfried Höffe
3. Zur Rekonstruktion des Rechts (1): Das System der Rechte - Klaus Günther
4. Zur Rekonstruktion des Rechts (2): Die Prinzipien des Rechtsstaates - Alexander Somek
5. Unbestimmtheit des Rechts und Rationalität der Rechtsprechung - Robert Alexy
6. Justiz und Gesetzgebung. Zur Rolle und Legitimität der Verfassungsrechtsprechung - Dieter Grimm
7. Deliberative Politik – ein Verfahrensbegriff der Demokratie - Hauke Brunkhorst
8. Zur Rolle von Zivilgesellschaft und politischer Öffentlichkeit - Regina Kreide
9. Paradigmen des Rechts - Elisabeth Holzleithner  

Anhang I. Recht und Moral (Tanner Lectures 1986) - Christian Hiebaum
Anhang II und III. Volkssouveränität als Verfahren (1988) Staatsbürgerschaft und nationale Identität (1990) - Hasso Hofmann

Thursday, July 07, 2016

Habermas on Brexit and the future of Europe [updated]



A new interview with Jürgen Habermas in "Die Zeit" (July 7, 2016)

"Die Spieler treten ab" [full text now online]


An English translation is available here: "The Players Resign - Core Europe to the Rescue"

Excerpts from the German version:

DIE ZEIT: Herr Habermas, hätten Sie den Brexit jemals für möglich gehalten? Was empfanden Sie, als Sie vom Erfolg der Leave-Kampagne erfuhren?

HABERMAS: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Populismus den Kapitalismus in dessen Ursprungsland schlagen würde. Angesichts der existenziellen Bedeutung des Bankensektors für Grossbritannien und im Hinblick auf die Medienmacht und politische Durchsetzungsfähigkeit der City of London war es unwahrscheinlich, dass sich Identitätsfragen gegen Interesselagen durchsetzen würden. (......)

Die Briten haben eine andere Geschichte im Rücken als der Kontinent. Das politische Bewusstsein einer Grossmacht, die im 20. Jahrhundert zweimal siegreich war, aber weltpolitisch im Abstieg begriffen ist, arrangiert sich mit der veränderten Lage nicht ohne Verzögerung. Mit diesem nationalen Selbstverständnis ist Grossbritannien in eine missliche Situation geraten, nachdem es 1973 allein aus ökonomischen Gründen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten war. (......)

Die Briten hatten eine entschieden marktliberale Vorstellung von der EU als einer Freihandelszone, und die fand Ausdruck in einer Politik der Erweitung der EU ohne gleichzeitige Vertiefung der Kooperation. Die ausschlisslich instrumentelle Einstellung der politischen Eliten gegenüber der EU hat sich noch im Wahlkampf des Remain-Lagers widergespiegelt. (......)

DIE ZEIT: Warum steht plötzlich nationale Identität gegen europäische Integration? Haben die Europapolitiker die Sprengkraft des nationalen und kulturellen Eigensinns unterschätzt?

HABERMAS: (......) Nicht nur das gegensätzliche Wahlverhalten auf dem Land und in den Städten, auch die geografische Verteilung der Exit-Stimmen (.....) sprechen für die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen des Brexit. Die Wahrnehmung der drastisch gewachsenen sozialen Ungleichheit und das Gefühl der Ohnmacht, dass die eigenen Interessen auf der politischen Ebene nicht mehr repräsentiert werden, schaffen den Motivationshintergrund für die Mobilisierung gegen Fremde, die Abkehr von Europa, den Hass auf Brüssel. Für eine verunsicherte Alltagswelt bilden der "nationale und kulturellen Eigensinn", wie Sie sagen, stabilisierende Pfeiler.  


DIE ZEIT: Sind es wirklich nur soziale Fragen? Es gibt doch nachgerade einen historischen Trend zu nationaler Selbsthilfe und die Absage an Kooperation. Supranationalität bedeutet für die Bürger Kontrolverlust. Sie glauben: Nur die Nation sei der Fels, auf den sie bauen können. Beweist das nicht, dass die Transformation von nationaler in transnationale Demokratie gescheitert ist"

HABERMAS: Ein Versuch, den man gar nicht erst unternimmt, kann nicht gescheitert sein. Gewiss, der Ruf nach "Take back control", der ja im britischen Wahlkamp eine Rolle gespielt hat, ist ein Symptom, das man ernst nehmen muss. Dem Beobachter hat sich die offensichtliche Irrationalität nicht nur des Ergebnisses dieser Wahl, sondern des Wahlkampfes selber aufgedrängt. Auch auf dem Kontinent nehmen die Hasskampagnen zu. Die Sozialpathologischen Züge einer politisch enthemmten Aggresivität deuten darauf hin, dass die alles durchdringenden systemischen Zwänge einer ungesteuert ökonomisch und digital zusammenwachsenden Weltgesellschaft die Formen der sozialen Integration überfordern, die im Nationalstaat demokratisch eingespielt waren. Das löst Regressionen aus. (......)

Eine transnationalisierung der Demokratie wäre (.....) die richtige Antwort. Auf andere Weise ist in einer hoch interdependenten Weltgesellschaft der beklagte und tatsächliche eingetretene Kontrollverlust, den die Bürgern empfinden, nicht wettzumachen. (.....)


DIE ZEIT: Wie kann man sich eine Vertiefung der Union vorstellen, ohne dass die Bürger einen weiteren demokratischen Kontrolverlust fürchten müssen? (......)

HABERMAS: Die Einberufung eines Konvents, der zu grossen Vertragsänderungen und Referenden führen müsste, käme erst infrage, wenn EU ihre dringendsten Probleme wahrnehmbar und auf überzeugende Weise angepackt hat. Die nach wie vor ungelöste Euro-krise, das langfristige Flüchtlingsproblem und die aktuellen Sicherheitsfragen werden jetzt als drängende Probleme genannt. Aber schon deren Beschreibung ist in der kakofonen Runde der 27 Mitglieder des Europäischen Rates nicht konsensfähig. Kompromisse sind nur unter kompromissbereiten Partnern möglich, und dafür dürfen die Interesselagen nicht zu weit auseinandergehen. Dieses Mindestmass an Interessekonvergenz ist bestenfalls von den Mitgliedern der Europäischen Währungsgemeinschaft zu erwarten. Das Krisenschicksal der gemeinsamen Währung, dessen Ursachen von der Wissenschaft übrigens gut analysiert worden sind, kettet dieser Länder schon seit Jahren, wenn auch auf asymmetrische Weise, eng aneinander. Deshalb bietet sich die Euro-Zone als natürliche Definition für den gegebenen Umfang eines künftigen Kerneuropas an. Wenn diese Länder den politischen Willen hätten, würde der in den Verträgen vorgesehene Grundsatz der "Engeren Zusammenarbeit" die ersten Schritte zur Ausdifferenzierung eines solchen Kerns erlauben - auch die längst überfällige Bildung eines Pendants zur Euro-Gruppe des Rates innerhalb des Europäischen Parlamentes.
 
 
 

Saturday, July 02, 2016

Jürgen Habermas and the European Economic Crisis

Jürgen Habermas and the European Economic Crisis
Cosmopolitanism Reconsidered

Ed. Gaspare M. Genna, Thomas O. Haakenson & Ian W. Wilson

(Routledge, 2016)

224 pages






Description

The European Union entered into an economic crisis in late 2009 that was sparked by bank bailouts and led to large, unsustainable, sovereign debt. The crisis was European in scale, but hit some countries in the Eurozone harder than others. Despite the plethora of writings devoted to the economic crisis in Europe, present understandings of how the political decisions would influence the integration project continue to remain vague. What does it actually mean to be European? Is Europe still a collection of peoples that rallied together during good times and then retreat to nationalism when challenges appear? Or has Europe adopted a common identity that would foster solidarity during hard times?

This book provides its reader with a fresh perspective on the importance identity has on the functioning of the European Union as exemplified in Jürgen Habermas’ seminal text, ‘The Crisis of the European Union: A Response’. Rather than exploring the causes of the crisis, the contributors examine the current state of European identity to determine the likelihood of implementing Habermas’ suggestions.

Contents  [preview]

Introduction - Gaspare M. Genna & Ian W. Wilson

Part I: Foundations

1. Democracy as Ideal and Practice: Historicizing The Crisis of the European Union - Christian Bailey
2. Habermas on Human Dignity as the Origin of Human Rights and Egalitarian, Utopian Thinking - Jennifer Fredette

Part II: Values

3. Cosmopolitanism, Trust, and Support for European Integration - Gaspare M. Genna
4. European Reform from the Bottom Up? The Presence and Effects of Cosmopolitan Values in Germany - Aubrey Westfall

Part III: Tools

5. Reason, Faith, and Europe: Two German Perspectives What is Europe? -James M. Skidmore
6. Cosmopolitan Reflections: Jürgen Habermas and W. G. Sebald - Ian W. Wilson

Part IV: Institutions

7. Educating the European Union: Internationalization through Integration - Thomas O. Haakenson
8. European Integration and Economic Interests - Marcella Myer
9. Does German Austerity Travel? - David O. Rossbach
10. On the Pouvoir Constituent of the European Union - Erik O. Eriksen

Conclusion - Gaspare M. Genna & W. Wilson 

Tuesday, June 21, 2016

In Defense of the Democratic Rule of Law in Brazil

Jürgen Habermas, Axel Honneth, Charles Taylor, Nancy Fraser, Rainer Forst, Rahel Jaeggi and many others have signed a 

Manifesto in Defense of the Democratic Rule of Law in Brazil

Many of the philosophers signed the manifesto at a conference in Prague on "Philosophy and Social Science", May 18-22, 2016.